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Computer sind doof

Seit der Mensch aufrecht geht, versucht er sich von unliebsamer Arbeit zu entledigen. Das ist bei jedem einzelnen beobachtbar (wir nutzen Computer, Waschmaschinen, Internet) und natürlich auch bei den Unternehmen (sie nutzen Computer, Melkmaschinen, Internet). Der immerfort währende Strukturwandel vernichtet Jobs auf der einen Seite (Melker, Hutmacher, Kupferstecher,…) und schafft neue auf der anderen (Melkmaschinenbauer, Produktentwickler, Social-Media-Experten).

Der Mensch denkt, der Computer lenkt

Alle Tätigkeiten, die man in irgendeiner Weise automatisieren und programmieren kann, sind dem Untergang geweiht. Was überlebt, sind Aufgaben, bei denen man urteilt, bewertet, entscheidet  – also das Hirn gebrauchen muss. Denn Computer sind letztlich doof. Sie sind ausführende Werkzeuge Ihrer Anwender. Einige dieser Werkzeugentwickler gehen noch einen Schritt weiter. Sie sprechen gerne von intelligenter Software und lernenden Systemen.

Die Autokorrektur bzw. die Autovervollständigung bei Textnachrichten ist so ein System. Dahinter steckt ein Algorithmus, der die Textgewohnheiten des Schreibers „lernt“ und Formulierungsvorschläge macht. Algorithmen sind Regeln, die einer Systematik und Logik folgen. Sie erkennen Gewohnheiten und bieten Lösungen an.

Gedankenlose Menschen lassen den Computer denken – der kann es aber nicht

Mittlerweile entscheiden Algorithmen auch, welche Bewerber zum Vorstellungsgespräch eingeladen werden. Bewerberdaten (Abschlüsse, Berufserfahrung, Gehaltsvorstellungen) sind dank der immer weiter verbreiteten Online-Bewerberplattformen auf Knopfdruck abrufbar.Jetzt muss der Algorithmus nur noch logische Regeln anwenden und schon kann er die gewünschten Top Ten ausspucken. Dafür braucht der Algorithmus-Computer Trainingsdaten – sonst kennt er die Gewohnheiten des Unternehmens nicht. Diese Gewohnheit kann nun sein, dass bei bisherigen Vorstellungsgesprächen immer doppelt so viel Männer wie Frauen eingeladen worden waren, kritisiert der Physiker Andreas Dewes in der taz. Der dumme Computer schlussfolgert: Männer sind doppelt so gut – und manifestiert eine Diskriminierung, die die Unternehmer gerne von sich weisen, wenn sie den Computer auswählen lassen; denn der sei ja so wahnsinnig unbestechlich.

Aber Computer sind doof. Intelligenz ist ein aus dem Lateinischen stammender Begriff. „Inter“ heißt „zwischen, „legere“ heißt „lesen, auswählen, sammeln“. Intelligenz besagt die Fähigkeit, Alternativen wahrzunehmen und zu bewerten. Ein Personalverantwortlicher  kann zum Beispiel mit Hilfe seines Verstandes die Diskriminierung von Frauen ablehnen. Er kann zwischen den Bewerbungsalternativen auswählen und bei der für die Auwahl dienlichen Angaben das Geschlecht einfach durch pure Gedankenkraft ignorieren. Und wenn die Frau nach Einstellungstest und Gesprächen als geeignet erscheint, kann die Firma sie einstellen. Hirn reicht.

Personaler sind doof

Etwas zu tun, weil man es so gewohnt ist, und die Daten der Gewohnheit das Gewohnte bestätigen, hört sich nicht nach Hirn an. Dem Computer darf man das verzeihen, denn – es ist schon darauf hingewiesen worden – Computer sind doof. Der Personalentscheider, der sich dieser Computer-„Entscheidung“ unterwirft, ist  noch doofer.


Der Physiker Andreas Dewes über die kritischen Folgen, wenn Algorithmen unser Leben zu sehr kontrollieren.

Netzwerken ist kein Selbstzweck

Die Glöckchen klingen derzeit wieder – vor allen im den Postfächern. Zu Massen gehen Weihnachtglückwünsche per SMS, WhatsAPP oder E-Mail ein. Manchmal ist es schwer, die wertschätzenden Grüße vom SPAM zu unterscheiden.

Pech für die, die rund um Weihnachten auch noch Geburtstag haben: Bei denen verdoppelt sich das Glückwunschaufkommen mal schnell.

Die Plumpheit des Netzwerkens

Die Technik der sozialen Medien macht es einem aber auch leicht. An aktuelle Geburtstage wird man bei Xing, Facebook und Co. ja auch bei jedem Login erinnert. Der effektive User hat für solche Zwecke schon ein Textbausteinarchiv angelegt. Copy, Paste und Send. Der, der so automatisiert glückwünscht, glaubt mitunter, dass er netzwerkt. Besonders tüchtiger Netzwerker vermuten sogar echtes Marketing hinter ihren Maschen. Sie wünschen erst alles Gute und fordern dann Aufmerksamkeit für ihre aktuellen Angebote ein – Kaufappell inklusive. Gibt es schon einen Award für plumpes Netzwerken? Dann würde ich gerne auch die Menschen vorschlagen, von denen man jahrelang nichts gehört hat. Dann kommt der Geburtstag, eine Xing-Mail mit knapp formulierten Glückwunsch und dem Hinweis auf Auftragsmangel verbunden mit dem Wunsch nach Infos und Tipps, wie man diesen Umstand lindern könnte.

Netzwerken ohne Wertschätzung hat keinen Wert

Natürlich schafft aktives Netzwerken Verbindungen und damit auch Jobs und Aufträge. Netzwerken beruht auf Gegenseitigkeit. Wenn Netzwerken durch  Beliebigkeit und Übergriffigkeit besteht, baut es eher Mauern auf. Man kann nicht allen Ernstes eine Gegenleistung erwarten, wenn man seine Glückwünsche über das Xing-eigene Mailsystem absendet. Und das auch nur, weil einen Xing daran erinnert.

Wer effektiv netzwerken will, sollte nie vergessen, dass Menschen hinter den E-Mail-Adressen sitzen. Menschen helfen grundsätzlich gerne, Menschen geben auch gerne etwas zurück. Sofern sie wertschätzend behandelt werden.

Formulieren Sie individuell

Manche meiner Auftraggeber senden tatsächlich noch handgeschriebene Weihnachtskarten mit persönlichen, individuellen Formulierungen, was sonst nur noch enge Freunde machen. Das ist Wertschätzung!

Eine persönlich geschriebene E-Mail kostet etwas mehr Zeit als ein 08/15-Text – aber in dieser Zeit, die sich der Schreiber für den Adressaten genommen hat, drückt sie sich wieder aus: die Wertschätzung.

Telefonieren Sie

Ein sehr schönes Kommunikationsmedium ist nach wie vor das Telefon. Das persönliche Gespräch ist durch keine E-Mail zu ersetzen. Je enger der persönliche Kontakt, desto eher darf man auch den direkten Dialog wagen. Sollte der enge Kontakt schon ein wenig eingeschlafen und Distanzen gewachsen sein (Ex-Kollegen,frühere Arbeit- oder Auftraggeber), kann der Wunsch nach einem Telefonat auch per freundlich formulierter E-Mail angekündigt werden.

Schaffen Sie sich eigene Anlässe zum Netzwerken

Und nicht zuletzt ein paar Worte zum Anlass des Netzwerkens:  Das Jahr bietet Ihnen 365 bis 366 Tage des Netzwerkens. Man muss nicht auf Weihnachten oder Geburtstage warten, um Kontakte zu pflegen. Wer sich auch mal Mitte Mai meldet oder Ende Oktober beweist eine anlassunabhängige Wertschätzung. Und die ist mehr wert als Pseudo-Wertschätzung über Xing-Mails und Facebookstatusleisten.

Deshalb der Tipp an alle, die davon auch genervt sind. Geben Sie Ihr Geburtsdatum in den sozialen Netzwerken nicht frei.

 

 

 

 

Der Bewerbungsberater warnt….

…vor schlechten Bewerbungsratgebern, und zwar folgendem: Diese Trickersereien sind bei Bewerbungen erlaubt.

Konkret warne ich vor den letzten beiden Tipps im Video (im Übrigen ein arger Euphemismus für diese unkreative Collage von Symbolbildern):

  • Lücke im Lebenslauf? Ausgeübte Jobs verlängern
  • Das Wort „Arbeitslosigkeit“ durch „Weiterbildung“ ersetzen.

Mut zur Lücke statt Mut zur Lüge

Wer für sich effektiv wirbt, stellt sich ins beste Licht. Das Aufhübschen stellenrelevanter Details gehört zu diesen erlaubten Darstellungsformen. Eine Reise kann in der Tat als Kulturtrip aufgewertet werden. Vorausgesetzt die Reise fand statt. Dann basiert die Darstellung auch auf einem wahren Ereignis – und ist erlaubt. Wer allerdings seinen ausgeübten Job verlängert,  verändert die – zeitlichen – Tatsachen. Er vergrößert willkürlich seine Berufserfahrung (immerhin eine Kategorie für die Gehaltseinstufung). In anderen Wort: Die Person lügt, sie täuscht. So ein Vertrauensbruch rechtfertigt in der Regel die fristlose, verhaltensbedingte Kündigung, Je nach Schwere der Täuschung auch nach der Probezeit. Sollte die falsche Angabe auch Einfluss auf die Gehaltsanpassung gehabt haben, kann der Arbeitgeber auch das zuviel gezahlte Gehalt zurück fordern.

Ich rate von solchen Spielchen deshalb stikt ab. Die Lücke gehört zum Lebenslauf und wenn die Lücke wegen Arbeitslosigkeit besteht, schreibt der Bewerber das eben so hin: Arbeitsuche oder berufliche Orientierung. Bei kurzen, sogenannten Sucharbeitslosigkeiten (bis zu drei Monaten), empfehle ich den Mut zur Lücke.

Weiterbildung ist kein Synonym für Arbeitslosigkeit

Wer sich während der Arbeitslosigkeit weiter gebildet hat, kann natürlich die Weiterbildung im Lebenslauf angeben. Sofern sie stattfand. Eine erfundene Weiterbildung hingegen ist eine Lüge. Erfindet der Bewerber im Rahmen dieser Weiterbildung auch noch neue Fachkompetenzen, nähert er sich der Schwelle zum Betrug. Weiterbildung als Wortersatz für Arbeitslosgkeit zu verwenden, ist schlichtweg geistiger Dünnschiss. Bewerber, die sich daran halten, handeln gefährlich,

Zielführend: Selbstreflexion statt Trickkiste

Allein die Überschrift dieses Express-Artikels sollte einen schon stutzig machen. Wer fürs Bewerben in die Trickkiste greifen muss, verwechselt Bewerben mit Schauspielerei. Ein glaubwürdiger Bewerber spielt aber einfach nur seine eigene Rolle. Um sie gut zu spielen, ist Reflexion notwendig – und keine Trickserei.

Einst lernten die Bilder laufen – jetzt die Bewerbungen

Bewerben hat sehr viel mit Storytelling zu tun. Wer eine Geschichte in seinen Unterlagen erzählt, baut Bilder im Kopf des Lesers – also des Personalentscheiders im Unternehmen – auf. Das macht den Bewerber markant. Ideal setzt diesen Gedanken das Medium Video durch:

Eine selbstständige Frau, die mit 17 Jahren schon ihr Leben organisiert hat, kann auch als Alleinerziehende Beruf und Familie unter einen Hut kriegen, so die glaubwürdige Botschaft dieses Films. Zumal sie – als sie selbst noch Kind war – bereits gerne Büro spielte und damit eine früh entwickelte Affinität zu ihrem Berufsbild entwickelt hat. Im Video präsentiert sie zudem eine sympathische Ausstrahlung. Man kann sie sich sehr gut im Umgang mit Kunden vorstellen.

Claus Junget Madsen stellt sich in seinem Bewerbungsvideo als multilingualen Problemlöser vor.

Die Kulissen, die Madsen gewählt hat, unterstreichen seine Aussagen. Vor einer Spreebrücke beschreibt er sich als Brückenbauer, im Menschengewusel am Berliner Alexanderplatz weist er auf seine kosmoplitische Haltung hin. und das ganze Video belegt seine Aussage: Ich bin eine unorthodoxer Manager. Form follows Funktion.

Auch die Formen der Bewerbung gehen mit der Zeit. Kein Wunder, dass sich zu den klassischen Bewerberportalen nun auch spezielle Videoformate gesellen wir Jobclipr.

Quatschgeschichten von einem, der glaubt, das Richtige studiert zu haben

„Lern‘ etwas Vernünftiges“, suche Dir einen Beruf mit Zukunft“, „mach‘ etwas, mit dem Du einmal eine Familie ernähren kannst“. Mal ganz abgesehen davon, dass Vernunft stark im Auge des Betrachters liegt, man über die Zukunft erst im Nachhinein urteilen kann (wenn die Zukunft Vergangenheit geworden ist)  und man auch als Auftragskiller nicht schlecht verdient, sind das typische Eltern- (oder auch Älteren) Ratschläge. Sie werden umso vehementer erteilt, je unglücklicher die Ratgeber mit ihrem eigenen Leben sind („du sollst es einmal besser haben). Blinde geben Tipps in Sachen Farbe.

Man muss nicht alt sein, um altklug zu sein

Der aktuellste Beitrag aus der Kategorie Alt-Klug-Scheißerei stammt von dem 24-jährigen Filipp Piatov und wurde in der Welt abgedruckt. Wer das Falsche studiert, wird keinen Job finden, warnt er dort vor allem vor der leichtsinnigen Wahl irgendwelcher Geisteswissenschaften. Es seien fast immer Geisteswissenschaftler, die nach ihrem Studium in Hartz IV landen, gibt er zu wissen vor. Gleichzeitig klagt der Autor über Arroganz, die Geisteswissenschaftler häufig gegenüber Absolventen der Rechts- und Wirtschaftswissenschaften äußern.
Dazu muss man gar kein Geisteswissenschaftler sein, auch (angehende) Ingenieure oder Naturwissenschaftler können herablassend auf BWL-er und Juristen blicken. Das scheint Herrn Piatov, von dem für Ende des Jahres auch ein ganze Buch droht, entgangen zu sein. Er war wohl zu sehr mit der Pflege seiner eigenen Überheblichkeit beschäftigt, die in der Überschrift seines Artikels gipfelt: Dort maßt er sich ernsthaft der Definitionshoheit über richtige bzw. falsche Studiengänge an. Er selbst hat mit der Wahl der Wirtschaftswissenschaften natürlich richtig entschieden.

Ich begnügte mich ganz bodenständig mit Finanzen, Rechnungswesen und Statistik.

Fein gemacht.

Nicht nur Statistik, auch eine Überdosis Autosuggestion kann die Wahrnehmung vernebeln

Statistiken und Zahlen spiegeln Größenordnungen wieder. Sie helfen, Bedürfnisse hochzurechnen und auf den Arbeitsmarkt zu übertragen. Wir brauchen mehr dies, vor allem mehr das und weniger davon, kommt dann dabei heraus.

Der Arbeitsmarkt besteht aus Menschen. Die kann man nicht beliebig auf dies oder das umprogrammieren. Jeder Mensch hat Talente, Begabungen und Interessen. Wenn er sich davon leiten lässt, ist der erste Schritt in Richtung Erfolg getan. Ein erfülltes Studium sorgt auch für Selbstbewusstsein und dies ist nicht zuletzt für die Psyche wichtig. Unsichere Bewerber scheitern in Vorstellungsgesprächen. Sichere Bewerber weniger. Zu Vorstellungsgesprächen kommt es freilich nur, wenn sich der Bewerber auch mit dem Arbeitsmarkt aktiv befasst hat. In diesem einen Punkt hat Herr Piatov Recht. Die einzelne Person muss von sich auf den Arbeitsmarkt zugehen und selbst Schnittmengen zwischen Markt und den eigenen Kompetenzen ausloten. Ein Quäntchen Glück gehört dazu, aber das Glück ist mit den Tüchtigen.

Aus meiner Beratungspraxis nehme ich wahr, dass Kompetenzen und Tüchtigkeit nicht nach Studiengängen oder Berufsgruppen trennbar sind. Auch Ingenieure kommen mit beruflichen Orientierungsproblemen zu mir, auch Wirtschaftswissenschaftler waren schon darunter, Spezialisten und Führungskräfte. Letztes Jahr erst gab ich einen großen Bewerbungsworkshop, in dem fast nur angehende Geisteswissenschaftler saßen. Interessante Kompetenzen stellte ich fest, die allerdings in den Bewerbungsunterlagen nicht thematisiert wurden. Die Akademiker in spe stapelten tief und versteckten Erfahrungen aus Nebenjobs, Praktika und Ehrenamt. Das Bild hingegen, das Herr Piatov von der Geisteswissenschaft hat, muss das Ergebnis jahrelanger Autosuggestion sein:

Wie viele aus wohlhabenden Familien stammende Studenten ihren von zu Hause gewohnten Lebensstil nach einem geisteswissenschaftlichen Studium halten wollen, ist mir ein Rätsel. Es scheint fast, als würden sie aus patriotischem Antrieb Germanistik, Kultur und Philosophie studieren, um das Ideal des Volkes der Dichter und Denker hochzuhalten.

Was zu hoffen wäre. An Denkern scheint es uns wirklich zu fehlen.

Die neue Gefahr der Personalplanung: Der Mann

Man stelle sich vor, die Bundeskanzlerin Angela Merkel beschließt heute, sich beruflich umzuorientieren. Sie wäre für viele Arbeitgeber gar keine so schlechte Wahl. Als Physikerin mit Doktortitel verfügt sie über eine begehrte Qualifikation und mit ihren 60 Jahren ist sie auch aus dem gebärfreudigen Alter raus. Das schafft den Personalentscheidern beruhigende Rahmenbedingen bei Vorstellungsgesprächen.

Ganz anders hätte das seinerzeit zum Beispiel bei Jean Pütz ausgesehen, der mit 74 Jahren noch Vater geworden ist. Das war 2010. Der ältere Bruder der damals geborenen Pütz-Tochter kam bereits 1999 zur Welt. Da war der stolze Papa Jean auch schon 63. Ein Segen für seine Geldgeber, dass der Journalist sehr wahrscheinlich Freiberufler ist; als Angestellter hätte er womöglich Erziehungsurlaub beantragen können. Der kann bis zu drei Jahre pro Kind dauern. Dagegen verschwinden die insgesamt 14 Wochen Babypause und Mutterschutz geradezu, wegen denen die gebärende Mutter rund um den Geburtstermin ausfällt.

Männer entdecken die Familie….

Während Frauen in etwa nur zur Hälfte der beruflich aktiven Zeit auch gebärfähig sind, besteht die Zeugungsfähigkeit bei Männern grundsätzlich das ganze Berufsleben über.

Zumal die Männer ihre Fruchtbarkeit auch anwenden, macht die Biologie sie im Sinne der Personalplanung zu den eigentlich unberechenbaren Personen am Arbeitsmarkt. Da wäre Ulrich Wickert, der mit 69 Jahren noch einmal Vater wurde. Oder Charly Chaplin. Zwischen seinem 64. und 73. Geburtstag zeugte er vier (seiner insgesamt elf) Kinder. Antony Quinn hatte sogar 13 Kindern (womit brutto 39 Jahre Erziehungsurlaub zusammekämen). Beim letzten war er stolze 81. Etwa jedes zwanzigste Neugeborene in Deutschland hat einen über 50-jährigen Vater.

Hinzu kommt: Die Väter möchten ihre Sprösslinge nicht zur zeugen, sondern auch ihr Gedeihen aktiv miterleben. Der Anteil der Väter in Elternzeit steigt von Jahr zu Jahr. Mittlerweile nimmt ein knappes Drittel aller Väter Elternzeit. Besonders gerne nehmen sich die Väter in den Freistaaten Sachsen und Bayern diese Freiheit heraus. Arbeitgeber diskriminieren aber weiterhin lieber die Frauen (vielleicht weil man es so gewöhnt ist).

…aber die Personaler entdecken die Gefahr nicht

Viele meiner Klienten nennen in ihren Lebensläufen den Familienstand. Sie beschreiben sich als verheiratet, nennen die Zahl ihrer Kindern nebst Alter. Bei Männern scheint dies eine problemlose Zusatzangabe zu sein. Auch die Familienoberhaupte vielköpfiger Sippen werden zu Gesprächen eingeladen und erhalten Vertragsangebote. Anders bei Frauen. Eine meiner Klientinnen, die meinen Rat suchte, klagte regelrecht über Bewerbungsfrust. Die Maschinenbauingenieurin, Ende 20, hatte einen interessanten Lebenslauf. Ihre Erfahrungen passten gut zu ihrem beruflichen Ziel. Das Anschreiben zeugte von Motivation und Engagement. Aber es hagelte Absagen. Lag es an der persönlichen Angabe „verheiratet, keine Kinder“? Wir strichen diese Passage einfach samt und sonders. Auf die nächste Bewerbung folgte das Vorstellungsgespräch und darauf der Vertrag. Vielleicht war es nur ein Zufall. Vielleicht aber wurde einem Vorurteil einfach das Futter entzogen.

Wenn ich in meinen Bewerbungsseminaren „verbotene Fragen“ in Vorstellungsgesprächen thematisiere, zu denen auch Fragen nach einem Kinderwunsch gehören, tausche ich mit meinen Seminarteilnehmern stets Erfahrungen aus. Und in der Tat: Die Personaler zeigen besonders gerne bei Frauen zwischen Anfang 20 und Ende 30 Interessen an familiären Angelegenheiten. Nicht selten verboten direkt. Männer hingegen erleben solche Fragen gar nicht.

Der Rationalität der Biologie steht eine Irrationalität der Personalpolitik entgegen: Könnten heilsame Selbsterfahrungsschocks helfen?

Aus einer Angst heraus, dass sich Talente der Frauen unter (anderen) Umständen nicht entfalten können, entscheiden Personaler oft gleich von vorn herein gegen sie, womit sich die Talente der Frauen natürlich auf keinen Fall entfalten können. Logik sieht anders aus. Personalern mit diesem Rollenverständnis wünsche ich bei deren nächsten Vorstellungsgespräch in eigener Sache eine resolute Interviewerin, die verboten unterschämt den Bewerber in einen Dialog wie den folgenden führt:

Personalerin: „Wen bewundern Sie mehr, Charlie Chaplin oder Franz Beckenbauer?“

Bewerber: „Oh, sie haben beide ihre Reize….“

Personalerin: „Stimmt offenbar. Besonders auf die Frauenwelt. Beide Männer haben ja noch im hohen Alter Kinder gezeugt. Bei vielen Männern nimmt die Erektionsstörung ab 40 ja deutlich zu. Sie sind doch auch schon deutlich über diese Altersschwelle?“

Bewerber: „Ja, schon….“

Personalerin: „…und wie fühlen Sie sich?“

Der Karriereberater rät: Auf verbotene Fragen darf man lügen. Und impotente Männer brauchen seltener Erziehungsurlaub.

Intelligenz ohne Berufung: von einer schillernden Gestalt

Sandra Maischberger hatte in ihrer Sendung Menschen bei Maischberger diese Woche Menschen zu Gast, deren Leben von ungewöhnlichen Kapriolen begleitet war. Ganz rauf, ganz runter. Das Thema interessiert mich persönlich.

Und weil er aus dem Promi-Big-Brother-Container mittlerweile wieder raus- und in den Dschungel noch nicht reingelassen wurde, hatte auch Ronald Barnabas Schill Zeit, um mit Frau Maischberger über dieses Thema zu sprechen. Die Quintessenz seiner Talkbeiträge: Aus ihm hätte durchaus etwas werden können.

Frauen, Waffen und keine Visionen

Schill hatte ein Einser-Abitur. Die Hindernisse des Numerus Clausus waren für ihn nie ein Thema. Deshalb studiert er Medizin. „Weil ich es kann“, gab er stolz-arrogant in der Talkshow kund. Er machte es aber nicht zu Ende. Psychologie machte er auch nicht zu Ende. Wohl aber Jura. Da sei er letztlich hängen geblieben. Der Abschluss war wohl auch nicht der schlechteste, sonst wäre er nie Richter geworden. Danach wurde er Innensenator mit ganz vielen Leibwächtern, die er aber bei privaten Anlässen abschüttelte, weil  sie ihn störten. Bei diesen privaten Anlässen ließ er sich lieber von Frauen begleiten und von sich selbst bewachen. Stolz-arrogant erzählte er von der Waffe, die er bei desen Anlässen zu seinem  Schutz trug. Die Berufe des Innensenator und des Richters brachte Sandra Maischberger sichtlich angewidert mit Schills Charakter nicht zusammen.

Das Problem ist, dass sich Schill offenbar nie mit seinem Charakter  beziehungsweise seiner Persönlichkeit auseinandergesetzt hat. Interessen, Motive, Visionen. All das sind wichtige Aspekte, die gerade in der Phase der Berufsorientierung hilfreich sind, um seine beruflichen Weichen zu stellen. Dass sich Schill dahingehende Fragen selten stellt, gab er indirekt zu, als ihn  Sandra Maischberger nach seinen Motiven fragte, die ihn in den Big-Brother-Container geführt haben. Es sei der schnellste Weg gewesen, viel Geld zu verdienen. Geld, das er für seinen Lebensstil in Rio de Janeiro braucht. Und seine grundsätzlichen Motive: „Ich wollte immer ein interessantes Leben führen.“

Ein Kotzbrocken ohne Lebensinhalt

Schill hat sich offenbar nie selbst verwirklicht. Das erklärte, warum er sich bei den brasililanischen Frauen nur mit Geld interessant machen kann. Nur so ist er jemand. Das erklärt, warum er sich als Richter so gerne gnadenlos präsentierte. Hier konnte er Macht ausspielen, hier war er jemand. Das erklärt, warum er seinen Bürgermeister mit dessen Homosexualität öffentlich erpressen wollte. Damit wollte er Macht ausspielen, da wollte er jemand sein. Das letztbeschriebene Machtspiel bezahlte er mit dem Amtsverlust.

Groß sein, in dem man andere klein macht, müssen nur die, die selbst keine Größe haben. Wenn Ronald Barnabas Schill sich nicht permanent wie ein widerlicher Kotzbrocken benehmen würde, könnte er einem fast leid tun.

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