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Computer sind doof

12. April 2016

Seit der Mensch aufrecht geht, versucht er sich von unliebsamer Arbeit zu entledigen. Das ist bei jedem einzelnen beobachtbar (wir nutzen Computer, Waschmaschinen, Internet) und natürlich auch bei den Unternehmen (sie nutzen Computer, Melkmaschinen, Internet). Der immerfort währende Strukturwandel vernichtet Jobs auf der einen Seite (Melker, Hutmacher, Kupferstecher,…) und schafft neue auf der anderen (Melkmaschinenbauer, Produktentwickler, Social-Media-Experten).

Der Mensch denkt, der Computer lenkt

Alle Tätigkeiten, die man in irgendeiner Weise automatisieren und programmieren kann, sind dem Untergang geweiht. Was überlebt, sind Aufgaben, bei denen man urteilt, bewertet, entscheidet  – also das Hirn gebrauchen muss. Denn Computer sind letztlich doof. Sie sind ausführende Werkzeuge Ihrer Anwender. Einige dieser Werkzeugentwickler gehen noch einen Schritt weiter. Sie sprechen gerne von intelligenter Software und lernenden Systemen.

Die Autokorrektur bzw. die Autovervollständigung bei Textnachrichten ist so ein System. Dahinter steckt ein Algorithmus, der die Textgewohnheiten des Schreibers „lernt“ und Formulierungsvorschläge macht. Algorithmen sind Regeln, die einer Systematik und Logik folgen. Sie erkennen Gewohnheiten und bieten Lösungen an.

Gedankenlose Menschen lassen den Computer denken – der kann es aber nicht

Mittlerweile entscheiden Algorithmen auch, welche Bewerber zum Vorstellungsgespräch eingeladen werden. Bewerberdaten (Abschlüsse, Berufserfahrung, Gehaltsvorstellungen) sind dank der immer weiter verbreiteten Online-Bewerberplattformen auf Knopfdruck abrufbar.Jetzt muss der Algorithmus nur noch logische Regeln anwenden und schon kann er die gewünschten Top Ten ausspucken. Dafür braucht der Algorithmus-Computer Trainingsdaten – sonst kennt er die Gewohnheiten des Unternehmens nicht. Diese Gewohnheit kann nun sein, dass bei bisherigen Vorstellungsgesprächen immer doppelt so viel Männer wie Frauen eingeladen worden waren, kritisiert der Physiker Andreas Dewes in der taz. Der dumme Computer schlussfolgert: Männer sind doppelt so gut – und manifestiert eine Diskriminierung, die die Unternehmer gerne von sich weisen, wenn sie den Computer auswählen lassen; denn der sei ja so wahnsinnig unbestechlich.

Aber Computer sind doof. Intelligenz ist ein aus dem Lateinischen stammender Begriff. „Inter“ heißt „zwischen, „legere“ heißt „lesen, auswählen, sammeln“. Intelligenz besagt die Fähigkeit, Alternativen wahrzunehmen und zu bewerten. Ein Personalverantwortlicher  kann zum Beispiel mit Hilfe seines Verstandes die Diskriminierung von Frauen ablehnen. Er kann zwischen den Bewerbungsalternativen auswählen und bei der für die Auwahl dienlichen Angaben das Geschlecht einfach durch pure Gedankenkraft ignorieren. Und wenn die Frau nach Einstellungstest und Gesprächen als geeignet erscheint, kann die Firma sie einstellen. Hirn reicht.

Personaler sind doof

Etwas zu tun, weil man es so gewohnt ist, und die Daten der Gewohnheit das Gewohnte bestätigen, hört sich nicht nach Hirn an. Dem Computer darf man das verzeihen, denn – es ist schon darauf hingewiesen worden – Computer sind doof. Der Personalentscheider, der sich dieser Computer-„Entscheidung“ unterwirft, ist  noch doofer.


Der Physiker Andreas Dewes über die kritischen Folgen, wenn Algorithmen unser Leben zu sehr kontrollieren.

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From → Strategie

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