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Einst lernten die Bilder laufen – jetzt die Bewerbungen

Bewerben hat sehr viel mit Storytelling zu tun. Wer eine Geschichte in seinen Unterlagen erzählt, baut Bilder im Kopf des Lesers – also des Personalentscheiders im Unternehmen – auf. Das macht den Bewerber markant. Ideal setzt diesen Gedanken das Medium Video durch:

Eine selbstständige Frau, die mit 17 Jahren schon ihr Leben organisiert hat, kann auch als Alleinerziehende Beruf und Familie unter einen Hut kriegen, so die glaubwürdige Botschaft dieses Films. Zumal sie – als sie selbst noch Kind war – bereits gerne Büro spielte und damit eine früh entwickelte Affinität zu ihrem Berufsbild entwickelt hat. Im Video präsentiert sie zudem eine sympathische Ausstrahlung. Man kann sie sich sehr gut im Umgang mit Kunden vorstellen.

Claus Junget Madsen stellt sich in seinem Bewerbungsvideo als multilingualen Problemlöser vor.

Die Kulissen, die Madsen gewählt hat, unterstreichen seine Aussagen. Vor einer Spreebrücke beschreibt er sich als Brückenbauer, im Menschengewusel am Berliner Alexanderplatz weist er auf seine kosmoplitische Haltung hin. und das ganze Video belegt seine Aussage: Ich bin eine unorthodoxer Manager. Form follows Funktion.

Auch die Formen der Bewerbung gehen mit der Zeit. Kein Wunder, dass sich zu den klassischen Bewerberportalen nun auch spezielle Videoformate gesellen wir Jobclipr.

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Quatschgeschichten von einem, der glaubt, das Richtige studiert zu haben

„Lern‘ etwas Vernünftiges“, suche Dir einen Beruf mit Zukunft“, „mach‘ etwas, mit dem Du einmal eine Familie ernähren kannst“. Mal ganz abgesehen davon, dass Vernunft stark im Auge des Betrachters liegt, man über die Zukunft erst im Nachhinein urteilen kann (wenn die Zukunft Vergangenheit geworden ist)  und man auch als Auftragskiller nicht schlecht verdient, sind das typische Eltern- (oder auch Älteren) Ratschläge. Sie werden umso vehementer erteilt, je unglücklicher die Ratgeber mit ihrem eigenen Leben sind („du sollst es einmal besser haben). Blinde geben Tipps in Sachen Farbe.

Man muss nicht alt sein, um altklug zu sein

Der aktuellste Beitrag aus der Kategorie Alt-Klug-Scheißerei stammt von dem 24-jährigen Filipp Piatov und wurde in der Welt abgedruckt. Wer das Falsche studiert, wird keinen Job finden, warnt er dort vor allem vor der leichtsinnigen Wahl irgendwelcher Geisteswissenschaften. Es seien fast immer Geisteswissenschaftler, die nach ihrem Studium in Hartz IV landen, gibt er zu wissen vor. Gleichzeitig klagt der Autor über Arroganz, die Geisteswissenschaftler häufig gegenüber Absolventen der Rechts- und Wirtschaftswissenschaften äußern.
Dazu muss man gar kein Geisteswissenschaftler sein, auch (angehende) Ingenieure oder Naturwissenschaftler können herablassend auf BWL-er und Juristen blicken. Das scheint Herrn Piatov, von dem für Ende des Jahres auch ein ganze Buch droht, entgangen zu sein. Er war wohl zu sehr mit der Pflege seiner eigenen Überheblichkeit beschäftigt, die in der Überschrift seines Artikels gipfelt: Dort maßt er sich ernsthaft der Definitionshoheit über richtige bzw. falsche Studiengänge an. Er selbst hat mit der Wahl der Wirtschaftswissenschaften natürlich richtig entschieden.

Ich begnügte mich ganz bodenständig mit Finanzen, Rechnungswesen und Statistik.

Fein gemacht.

Nicht nur Statistik, auch eine Überdosis Autosuggestion kann die Wahrnehmung vernebeln

Statistiken und Zahlen spiegeln Größenordnungen wieder. Sie helfen, Bedürfnisse hochzurechnen und auf den Arbeitsmarkt zu übertragen. Wir brauchen mehr dies, vor allem mehr das und weniger davon, kommt dann dabei heraus.

Der Arbeitsmarkt besteht aus Menschen. Die kann man nicht beliebig auf dies oder das umprogrammieren. Jeder Mensch hat Talente, Begabungen und Interessen. Wenn er sich davon leiten lässt, ist der erste Schritt in Richtung Erfolg getan. Ein erfülltes Studium sorgt auch für Selbstbewusstsein und dies ist nicht zuletzt für die Psyche wichtig. Unsichere Bewerber scheitern in Vorstellungsgesprächen. Sichere Bewerber weniger. Zu Vorstellungsgesprächen kommt es freilich nur, wenn sich der Bewerber auch mit dem Arbeitsmarkt aktiv befasst hat. In diesem einen Punkt hat Herr Piatov Recht. Die einzelne Person muss von sich auf den Arbeitsmarkt zugehen und selbst Schnittmengen zwischen Markt und den eigenen Kompetenzen ausloten. Ein Quäntchen Glück gehört dazu, aber das Glück ist mit den Tüchtigen.

Aus meiner Beratungspraxis nehme ich wahr, dass Kompetenzen und Tüchtigkeit nicht nach Studiengängen oder Berufsgruppen trennbar sind. Auch Ingenieure kommen mit beruflichen Orientierungsproblemen zu mir, auch Wirtschaftswissenschaftler waren schon darunter, Spezialisten und Führungskräfte. Letztes Jahr erst gab ich einen großen Bewerbungsworkshop, in dem fast nur angehende Geisteswissenschaftler saßen. Interessante Kompetenzen stellte ich fest, die allerdings in den Bewerbungsunterlagen nicht thematisiert wurden. Die Akademiker in spe stapelten tief und versteckten Erfahrungen aus Nebenjobs, Praktika und Ehrenamt. Das Bild hingegen, das Herr Piatov von der Geisteswissenschaft hat, muss das Ergebnis jahrelanger Autosuggestion sein:

Wie viele aus wohlhabenden Familien stammende Studenten ihren von zu Hause gewohnten Lebensstil nach einem geisteswissenschaftlichen Studium halten wollen, ist mir ein Rätsel. Es scheint fast, als würden sie aus patriotischem Antrieb Germanistik, Kultur und Philosophie studieren, um das Ideal des Volkes der Dichter und Denker hochzuhalten.

Was zu hoffen wäre. An Denkern scheint es uns wirklich zu fehlen.

Die neue Gefahr der Personalplanung: Der Mann

Man stelle sich vor, die Bundeskanzlerin Angela Merkel beschließt heute, sich beruflich umzuorientieren. Sie wäre für viele Arbeitgeber gar keine so schlechte Wahl. Als Physikerin mit Doktortitel verfügt sie über eine begehrte Qualifikation und mit ihren 60 Jahren ist sie auch aus dem gebärfreudigen Alter raus. Das schafft den Personalentscheidern beruhigende Rahmenbedingen bei Vorstellungsgesprächen.

Ganz anders hätte das seinerzeit zum Beispiel bei Jean Pütz ausgesehen, der mit 74 Jahren noch Vater geworden ist. Das war 2010. Der ältere Bruder der damals geborenen Pütz-Tochter kam bereits 1999 zur Welt. Da war der stolze Papa Jean auch schon 63. Ein Segen für seine Geldgeber, dass der Journalist sehr wahrscheinlich Freiberufler ist; als Angestellter hätte er womöglich Erziehungsurlaub beantragen können. Der kann bis zu drei Jahre pro Kind dauern. Dagegen verschwinden die insgesamt 14 Wochen Babypause und Mutterschutz geradezu, wegen denen die gebärende Mutter rund um den Geburtstermin ausfällt.

Männer entdecken die Familie….

Während Frauen in etwa nur zur Hälfte der beruflich aktiven Zeit auch gebärfähig sind, besteht die Zeugungsfähigkeit bei Männern grundsätzlich das ganze Berufsleben über.

Zumal die Männer ihre Fruchtbarkeit auch anwenden, macht die Biologie sie im Sinne der Personalplanung zu den eigentlich unberechenbaren Personen am Arbeitsmarkt. Da wäre Ulrich Wickert, der mit 69 Jahren noch einmal Vater wurde. Oder Charly Chaplin. Zwischen seinem 64. und 73. Geburtstag zeugte er vier (seiner insgesamt elf) Kinder. Antony Quinn hatte sogar 13 Kindern (womit brutto 39 Jahre Erziehungsurlaub zusammekämen). Beim letzten war er stolze 81. Etwa jedes zwanzigste Neugeborene in Deutschland hat einen über 50-jährigen Vater.

Hinzu kommt: Die Väter möchten ihre Sprösslinge nicht zur zeugen, sondern auch ihr Gedeihen aktiv miterleben. Der Anteil der Väter in Elternzeit steigt von Jahr zu Jahr. Mittlerweile nimmt ein knappes Drittel aller Väter Elternzeit. Besonders gerne nehmen sich die Väter in den Freistaaten Sachsen und Bayern diese Freiheit heraus. Arbeitgeber diskriminieren aber weiterhin lieber die Frauen (vielleicht weil man es so gewöhnt ist).

…aber die Personaler entdecken die Gefahr nicht

Viele meiner Klienten nennen in ihren Lebensläufen den Familienstand. Sie beschreiben sich als verheiratet, nennen die Zahl ihrer Kindern nebst Alter. Bei Männern scheint dies eine problemlose Zusatzangabe zu sein. Auch die Familienoberhaupte vielköpfiger Sippen werden zu Gesprächen eingeladen und erhalten Vertragsangebote. Anders bei Frauen. Eine meiner Klientinnen, die meinen Rat suchte, klagte regelrecht über Bewerbungsfrust. Die Maschinenbauingenieurin, Ende 20, hatte einen interessanten Lebenslauf. Ihre Erfahrungen passten gut zu ihrem beruflichen Ziel. Das Anschreiben zeugte von Motivation und Engagement. Aber es hagelte Absagen. Lag es an der persönlichen Angabe „verheiratet, keine Kinder“? Wir strichen diese Passage einfach samt und sonders. Auf die nächste Bewerbung folgte das Vorstellungsgespräch und darauf der Vertrag. Vielleicht war es nur ein Zufall. Vielleicht aber wurde einem Vorurteil einfach das Futter entzogen.

Wenn ich in meinen Bewerbungsseminaren „verbotene Fragen“ in Vorstellungsgesprächen thematisiere, zu denen auch Fragen nach einem Kinderwunsch gehören, tausche ich mit meinen Seminarteilnehmern stets Erfahrungen aus. Und in der Tat: Die Personaler zeigen besonders gerne bei Frauen zwischen Anfang 20 und Ende 30 Interessen an familiären Angelegenheiten. Nicht selten verboten direkt. Männer hingegen erleben solche Fragen gar nicht.

Der Rationalität der Biologie steht eine Irrationalität der Personalpolitik entgegen: Könnten heilsame Selbsterfahrungsschocks helfen?

Aus einer Angst heraus, dass sich Talente der Frauen unter (anderen) Umständen nicht entfalten können, entscheiden Personaler oft gleich von vorn herein gegen sie, womit sich die Talente der Frauen natürlich auf keinen Fall entfalten können. Logik sieht anders aus. Personalern mit diesem Rollenverständnis wünsche ich bei deren nächsten Vorstellungsgespräch in eigener Sache eine resolute Interviewerin, die verboten unterschämt den Bewerber in einen Dialog wie den folgenden führt:

Personalerin: „Wen bewundern Sie mehr, Charlie Chaplin oder Franz Beckenbauer?“

Bewerber: „Oh, sie haben beide ihre Reize….“

Personalerin: „Stimmt offenbar. Besonders auf die Frauenwelt. Beide Männer haben ja noch im hohen Alter Kinder gezeugt. Bei vielen Männern nimmt die Erektionsstörung ab 40 ja deutlich zu. Sie sind doch auch schon deutlich über diese Altersschwelle?“

Bewerber: „Ja, schon….“

Personalerin: „…und wie fühlen Sie sich?“

Der Karriereberater rät: Auf verbotene Fragen darf man lügen. Und impotente Männer brauchen seltener Erziehungsurlaub.

Intelligenz ohne Berufung: von einer schillernden Gestalt

Sandra Maischberger hatte in ihrer Sendung Menschen bei Maischberger diese Woche Menschen zu Gast, deren Leben von ungewöhnlichen Kapriolen begleitet war. Ganz rauf, ganz runter. Das Thema interessiert mich persönlich.

Und weil er aus dem Promi-Big-Brother-Container mittlerweile wieder raus- und in den Dschungel noch nicht reingelassen wurde, hatte auch Ronald Barnabas Schill Zeit, um mit Frau Maischberger über dieses Thema zu sprechen. Die Quintessenz seiner Talkbeiträge: Aus ihm hätte durchaus etwas werden können.

Frauen, Waffen und keine Visionen

Schill hatte ein Einser-Abitur. Die Hindernisse des Numerus Clausus waren für ihn nie ein Thema. Deshalb studiert er Medizin. „Weil ich es kann“, gab er stolz-arrogant in der Talkshow kund. Er machte es aber nicht zu Ende. Psychologie machte er auch nicht zu Ende. Wohl aber Jura. Da sei er letztlich hängen geblieben. Der Abschluss war wohl auch nicht der schlechteste, sonst wäre er nie Richter geworden. Danach wurde er Innensenator mit ganz vielen Leibwächtern, die er aber bei privaten Anlässen abschüttelte, weil  sie ihn störten. Bei diesen privaten Anlässen ließ er sich lieber von Frauen begleiten und von sich selbst bewachen. Stolz-arrogant erzählte er von der Waffe, die er bei desen Anlässen zu seinem  Schutz trug. Die Berufe des Innensenator und des Richters brachte Sandra Maischberger sichtlich angewidert mit Schills Charakter nicht zusammen.

Das Problem ist, dass sich Schill offenbar nie mit seinem Charakter  beziehungsweise seiner Persönlichkeit auseinandergesetzt hat. Interessen, Motive, Visionen. All das sind wichtige Aspekte, die gerade in der Phase der Berufsorientierung hilfreich sind, um seine beruflichen Weichen zu stellen. Dass sich Schill dahingehende Fragen selten stellt, gab er indirekt zu, als ihn  Sandra Maischberger nach seinen Motiven fragte, die ihn in den Big-Brother-Container geführt haben. Es sei der schnellste Weg gewesen, viel Geld zu verdienen. Geld, das er für seinen Lebensstil in Rio de Janeiro braucht. Und seine grundsätzlichen Motive: „Ich wollte immer ein interessantes Leben führen.“

Ein Kotzbrocken ohne Lebensinhalt

Schill hat sich offenbar nie selbst verwirklicht. Das erklärte, warum er sich bei den brasililanischen Frauen nur mit Geld interessant machen kann. Nur so ist er jemand. Das erklärt, warum er sich als Richter so gerne gnadenlos präsentierte. Hier konnte er Macht ausspielen, hier war er jemand. Das erklärt, warum er seinen Bürgermeister mit dessen Homosexualität öffentlich erpressen wollte. Damit wollte er Macht ausspielen, da wollte er jemand sein. Das letztbeschriebene Machtspiel bezahlte er mit dem Amtsverlust.

Groß sein, in dem man andere klein macht, müssen nur die, die selbst keine Größe haben. Wenn Ronald Barnabas Schill sich nicht permanent wie ein widerlicher Kotzbrocken benehmen würde, könnte er einem fast leid tun.

Über die Güte der Arbeitszeugnisse

Arbeitszeugnisse und ihre Bewertungen. Das Internet ist voll an verständlichen Übersetzungshilfen. Gestern kam eine valide Quelle hinzu. Das Bundesarbeitsgericht hat geurteilt, dass ein Arbeitnehmer erst einmal mit der Note 3 zufrieden sein muss. Die weit – auch unter meinen Klienten – verbreitete Meinung, ein Arbeitgeber sei zur Ausstellung eines guten Zeugnisses (also mindestens Note 2) verpflichtet, hat das Arbeitsgericht damit ins Reich der Märchen verbannt.
Was die vorherrschende, märchenhaft Ansicht ausgeprägt hat, ist zum einen ein falsches Verständnis des Grundsatzes des Wohlwollens und zum anderen eine schlechte Angewohnheit der Arbeitgeber.

Wohlwollen ist nicht gleich „gut“. Wohlwollen muss zugleich wahr sein

Wohlwollend formuliert heißt, dass die Beschreibung des Arbeitnehmers und seiner Leistung ihn nicht unnötig in seiner weiteren Laufbahn behindern darf. Formulierungen sollten also eher verständnisvoll als herablassend oder gar abwertend sein. Wenn die Person also eine Niete war, die man zu nichts gebrauchen konnte, darf man das in eben diesen Worten nicht schreiben, unterstellt dafür wenigstens Interesse an der Arbeit und formuliert „Sie war stets bemüht.“ Einer Minderleistenden Brillianz zu unterstellen, wäre unwahr. Ein Arbeitszeugnis muss aber die Wahrheit aussagen. Wohlwollen darf die Wahrheit nicht beugen.

Qualitative Argumente

Zeugnisse für Nieten liest man eher selten. Nicht nur, weil es wenige Nieten gibt, sonden auch, weil Arbeitgeber ungern vor Gericht zitiert werden, wo sie ihre Bewertungen verteidigen müssten. Bei unterdurchschnittlichen Zeugnissen tragen sie die Beweislast. Will hingegen der Arbeitnehmer überdurchschnittlich bewertet werden, müsste im Klagefall er entsprechende Gründe vortragen. Das Bundesarbeitsgericht betonte im aktuellen Fall, dass dazu allerdings qualitative Argumente nötig seien. Die Klägerin argumentierte nämlich quantitativ und berief sich auf Studien, nachdem die Note 2 in fast 90 Prozent aller Arbeitszeugnisse vergeben wird.

Alles ist bzw. wird gut?

Was viele machen, muss aber noch lange nicht gut (sic!) sein. Arbeitgeber wollen es sich eben auch nicht schwerer machen als notwendig. Sie haben im Rahmen von Entlassungen mit komplexen Verhandlungen um Ablösesummen, Sozialplänen und Interessensausgleiche zu tun. Arbeitszeugnisse werden am Rande und Fließband geschrieben beziehungsweise einfach nur unterschrieben. Die Note verkommt zur Fußnote.

Und das Leichte an der Geschichte: Als Empfänger von Bewerbungen nehmen die Arbeitgeber die Zeugnisbewertung genauso wenig ernst. Das gibt auch den Nieten wieder eine Chance.

Nicht für Lücken büßen

Mut zur Lücke

Es ist eines jener unverwüstlichen Dogmen der Bewerbungsratgeber: Ein Lebenslauf muss lückenlos sein. Und es ist eine meiner unverwüstlichen Erkenntnisse aus mittlerweile 12 Jahren Karriereberatung: Das stimmt nicht.

Als ich mit dem Thema Bewerbungsberatung begonnen habe Geld zu verdienen – zuerst als reiner Bewerbungstrainer -, war ich von solchen „Gesetzen“ durchaus noch beseelt. Mangels Erfahrung und Wagemut. Meine Vita wurde aber reich an Erfahrung; ich lernte branchen- und hierarchiestufenübergreifende Bewerbungsprozesse kennen und vor allem auch Arbeitgeber, mit denen man schön über das Thema Bewerbungen fachsimpeln kann.

Mit dem wachsenden Wissen wuchs auch der Wagemut. Da war der Klient, dessen Leben sechs berufliche Stationen umfasste; dazwischen war er immer zwei bis drei Monate arbeitslos. Neben den schön ausgeschmückten Positions- und Jobbeschreibungen tauchte wie das täglich grüßende Murmeltier insgesamt fünf Mal die Zeile „Arbeit suchend“ auf. Ihm gefiel ’s nicht, mir gefiel’s nicht; „lassen wir’s doch einfach weg“ riet ich ihm. Zurück blieb ein Lebenslauf, der auf Substanz reduziert war. Genau das, was die Arbeitgeber übrigens haben wollen. So war war dann auch in dem exemplarischen Fall, denn der Klient wurde eingeladen und eingestellt. Im Vorgestellungsgespräch wurden die Lücken überhaupt nicht angesprochen. Es wundert mich nicht, dass in der Netzwelt das Thema Lücke im Lebenslauf gerade sehr durch den Kakao gezogen wird.

Auf die Länge kommt es an

Natürlch steht und fällt der Mut zur Lücke mit ihrer Länge. Eine Sucharbeitslosigkeit von zwei bis drei Monaten wird von den meisten Arbeitgebern als unproblematisch betrachtet. So etwas ist normal geworden. Man muss nicht groß darüber reden – oder eben schreiben.

Ehrlich währt am längsten

Ist die Lücke länger, sollte man sie schon erklären. Und zwar ehrlich. Arbeitssuche, Familienphase, Urlaub, Umzug – eine Lücke kann viele Gründe haben. Der problematischste ist sicherlich ein Gefängnisaufenthalt. Aber wenn das so ist, hilft es nicht diese Phase mit einer positiv konotierten Beschreibung zu erklären wie: Längerer Auslandsaufenthalt.

Arbeitgeber sind selten doof und kennen diese Tricks. Das Gespräch über Land, Leute, Spezialitäten, Wein- und Bierpreise kann derart auf eine Detailebene gebracht werden, dass der Bewerber bald der Unkenntnis und damit der Lüge überführt ist. Und Lügner werden seltener eingestellt, als Menschen mit schwierigen Phasen in Ihrere Biografie, zu denen sie aber stehen. .

Daher gilt neben dem Mut zur Lücke auch: Mut zum Grund der Lücke.

Models sind die besseren Banker

Das Playmate des Monats  kommt aus Legoland

Mein Geburtsort Günzburg ist 700 Kilometer von meiner heutigen Heimat Hamburg entfernt. Aber ich lebte dort die ersten zweieinhalb Jahrzehnte meines Lebens, weshalb ich immer noch mit einem gewissen Interesse die Neuigkeiten aus der kleinen Stadt verfolge, die überregional vor allem als Legoland Deutschland bekannt ist.

Seit heute ist Günzburg aber auch die Heimat des aktuellen Playmate des Monats.

Sarah Nowak heißt die junge Dame. Und man braucht nicht wirklich lange zu recherchieren, um herauszufinden, dass sie außerdem Finanzberaterin bei der Günzburger Volksbank ist. Das ist eigentlich nichts besonders, denn die wenigstens Models verdienen Traumgagen. Für die meisten ist es – zunächst – ein Nebenjob, ein Hobby, eine Leidenschaft. So wunderte ich mich überhaupt nicht, dass die Frau auch noch einen Hauptjob hat.

Die Angst vor nackten Tatsachen

Und als Karriereberater begegne ich tagein, tagaus Menschen, die mehrere Dinge gut können. Ein gewisser Klaus sieht das aber anders. „Mit Verlaub,“ schreibt er auf der Facebook-Seite der Volksbank, „ich würde mich nicht von einer Mitarbeiterin beraten lassen, welche sich für den Playboy auszieht …“

Es lohnt nicht, nach Logik in diesem Satz zu suchen. Wer Menschen blind ihre fachlichen Kompetenzen abspricht, nur weil sie privat Dinge tun, die nicht ins eigene Weltbild passen, outet keine Logik sondern nur Oberflächlichkeit, Arroganz und Intoleranz.

Optimale Kompetenzbefruchtung

Dabei würde Klaus in dem Fotomodell vielleicht die zweckdienlicheren Beratungen erhalten. Ein Fotomodell muss oft stundenlange Sessions unter nicht immer komfortablen Umständen über sich ergehen lassen. Es ist dabei viel unterwegs und es tummeln sich windige Typen in dieser Branche. Bei Vertragsverhandlungen muss man auf der Hut sein.

Kurz: Ein Fotomodell beweist Durchhaltevermögen, ist international erfahren, entwickelt Durchsetzungsvermögen und gesundes Misstrauen.

All das fehlte zum Beispiel den Bankern bei Lehman, die 2008 die Finanzkrise ausgelöst haben. Bankpersonaler sollten vielleicht mehr Hobbymodels einstellen. Ein zusätzlicher Vorteil: Weil sich Fotomodels berufsbedingt sehr gesund ernähren und auf körperliche Fitness achten, sind sie selten krank.

Und weil die Models nicht nur nackt sondern auch bekleidet fabelhaft aussehen, passen sie hervorragend zum Banken-Dresscode.

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